Risiken der Behandlung mit IVF und ICSI ergeben sich zum einen aus der meist notwendigen hormonellen Stimulation, der notwendigen operativen Gewinnung der Eizellen, der assistierten Befruchtung selber, dem Risiko von Mehrlingsschwangerschaften und den allgemeinen Schwangerschaftsrisiken.

Neben den seltenen, geringen, lokalen Risiken (Brennen, Jucken, Schmerzen, Infektionen an der Injektionsstelle) bei der meist notwendigen Spritzenbehandlung kann es durch die Zufuhr von Hormonen zu einem Überstimmulationssyndrom der Eierstöcke (engl. OHSS = Ovarian HyperStimulation Syndrome) kommen. Betroffen sind meist Frauen vor dem 35. Lebensjahr oder Frauen deren Eierstöcke auf die Behandlung überschießend ansprechen. Hierbei kommt es durch die Größenzunahme der Eierstöcke und Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt des Körpers zu einem zunehmenden Spannungsgefühl im Bauchraum verbunden mit Unwohlsein und Gewichtszunahme. Wenn auch eine gewisse Symptomatik durch die (gewünschte) Größenzunahme der Eierstöcke bei jeder Frau vorhanden ist, so können diese Störungen sich verstärken (Übelkeit und Erbrechen), und in einer stationären Krankenhausaufnahme bis hin zu multiplen Organversagen und intensivmedizinischen Behandlung enden. Durch die Anwendung neuer Medikamente ist das schwere (krankenhauspflichtige) Überstimmulationssyndrom inzwischen aber selten gekommen und tritt nur noch in 0,5-2,0% der Behandlungszyklen in Deutschland auf. Durch ein von uns mitentwickeltes Verfahren erscheint es sogar möglich, dass schwere Überstimmulationssyndrom ganz vermieden werden können.

Die operative Gewinnung der Eizellen unter Ultraschallkontrolle stellt einen kleinen ambulanten operativen Eingriff für die Frau dar. Neben den üblichen Risiken solcher kleinen operativen Eingriffe (Narkosenebenwirkungen, Thrombose, Infektion etc.) ist das Hauptrisiko das einer Blutung aus der Scheide (sehr selten auch in den Bauchraum) nach oder während des Eingriffs. Theoretisch kann es auch zu einer Verletzung des Darmes, der Blase oder des Harnleiters kommen.

Die Frage, ob durch eine künstliche Befruchtung gezeugte Kinder später eine normale körperliche und geistige Entwicklung durchleben, bestand insbesondere für die relativ neue (1992) ICSI Methode und wurde länger heftig diskutiert. Nicht zuletzt die Ergebnisse einer in Deutschland erstellten Studie zeigten, daß das Risiko für Fehlbildung der Kinder nach einer ICSI-Behandlung nur geringfügig gegenüber normal erstandenen Kindern erhöht ist, jedoch bei Berücksichtigung der negativen Voraussetzungen seitens der Eltern (häufiger höheres Alter, Übergewicht der Frau und genetische Veränderungen) lediglich ca.0,5% höher liegt (0,2-0,7%). Gleiches gilt auch für das leicht erhöhte Risiko an genetischen Veränderungen der Sexchromosomen aber auch der übrigen Chromosomen welches durch das höhere mittlere Alter der Mütter von „ICSI-Kindern“ und durch die höhere Wahrscheinlichkeit von genetischen Veränderungen bereits bei beiden Eltern hinreichend erklärt werden kann. Das leicht erhöhte Risiko von Fehlbildungen und genetischen Veränderungen ist daher unabhängig vom Zustandekommen der Schwangerschaft und ist unter Berücksichtigung des meist erhöhten Alters der Frauen und der erhöhten genetischen Risikos bei Fruchtbarkeitsstörungen sehr gering. So bleiben auch die geborenen Kinder nach einer IVF und ICSI-Behandlung nicht in ihrer geistigen oder körperlichen Entwicklung hinter spontan gezeugten Kindern zurück, verhalten sich nicht öfter auffällig und erkranken nicht häufiger an Krebs.

Unzweifelhaft erhöht ist hingegen das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften bei allen Verfahren der assistierten Reproduktion (in Deutschland 2007 21% Zwillinge und 0,5% Drillinge). Insbesondere die Drillingsraten sind bei der ICSI- etwas höher als bei der IVF-Behandlung. Wenn auch von den ein oder anderen Paar eine Zwillingschwangerschaft vielleicht gewünscht wird, so werden Drillinge von vielen Paaren schon als organisatorische, soziale und finanzielle Katastrophe empfunden. Im Vordergrund des Risikos von Mehrlingsschwangerschaften stehen aber, unabhängig von der Art der Zeugung, die deutlich erhöhten Gesundheitsrisiken für Mutter und Kinder. Deshalb führen wir insbesondere bei der ICSI-Behandlung bei jüngeren Patientinnen ( jünger als 35 Jahre) den Transfer von mehr als zwei Embryonen nur in absoluten Ausnahmefällen durch.

Grundsätzlich gilt, je höhergradig die Mehrlingsschwangerschaft ist, desto größer werden die Risiken. Für die werdende Mutter bedeuten Mehrlingsschwangerschaften erhöhte Schwangerschaftskomplikationen wie Wassereinlagerungen, Nierenstörungen, erhöhter Blutdruck, akute Leberschädigungen und Schwangerschaftsdiabetes. Zur Behandlung vorzeitiger Wehen ist eine häufigere ambulante aber oft auch stationäre Behandlung notwenig. Als Folge der erhöhten Schwangerschaftskomplikationen und Wehentätigkeit, erhöht sich auch die Häufigkeit von Fehl- und Totgeburten (Bei Zwillingen sind diese sechs mal häufiger als bei Einlingsschwangerschaften). Gleiches gilt für die Wahrscheinlichkeit von Frühgeburten. So werden Drillinge im Durchschnitt 8 Wochen und Zwillinge im Durchschnitt 5 Wochen vor dem Geburtstermin geboren, wobei oft (Zwillinge) bis fast immer (Drillinge) ein Kaiserschnitt durchgeführt werden muss, um weitere Schädigungen der Kinder zu vermeiden. Trotz aller medizinischen Maßnahmen führt vor allen die Frühgeburtlichkeit und die damit verbundene Unreife der kindlichen Organe je nach Zeitpunkt der Geburt zu weiteren bleibenden Schäden. Entsprechende Untersuchungen in Deutschland zeigten, dass bei jeder zweiten Drillingsschwangerschaft entweder eines der Kinder noch vor oder kurz nach der Geburt verstarb oder bleibende Schäden zurück behielt.